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Jacqueline Heller, Oberentfelden

Gib der dunklen Jahreszeit eine Chance

In den Wintermonaten leiden viele Menschen unter dem Novemberblues, manche gar an depressiven Verstimmungen bis hin zur echten Depression. Die Betroffenen fühlen sich müde und antriebslos. Auslöser der saisonal abhängigen Depression ist oft der Mangel an Tageslicht.

Ausgedehnte Dunkelperioden sorgen vermutlich dafür, dass das Schlafhormon Melatonin vermehrt ausgeschüttet wird. Auch schlafen wir meist länger. An dunklen Tagen ist zudem die Verweildauer des Botenstoff Serotonin im synaptischen Spalt verkürzt und damit die Wirkdauer des Glückhormons reduziert. Auch das kann der Psyche zu schaffen machen.

Mal sind wir glücklich, mal traurig. An manchen Tagen sind wir das reinste Energiebündel, an anderen völlig antrieblos. Es gibt Nächte in denen wir schlafen wie ein Herrgöttli und andere in denen wir uns hin und her wälzen und einfach keinen Schlaf finden. Dann gibt es Tage, an denen wir uns in einem „normalen“ Gemütszustand befinden, der weder negativ, noch äusserst positiv bewertet wird. Jeder von uns kennt die beschriebenen Gemütszustände – stimmt’s?

Wir konditionieren uns selber

Sobald wir uns über unsere Stimmungsschwankungen Sorgen machen und uns an denen orientieren, beginnen wir, uns selbst zu hypnotisieren. Kennen Sie das Phänomen: Sie haben sich ein rotes Auto gekauft und plötzlich sehen Sie überall und vermehrt rote Autos auf der Strasse? Sie lenken den Fokus auf ein spezielles Thema und picken sich aus dem Alltag genau diese Situationen heraus, die Ihnen bestätigen, dass Sie mit dem Kauf eines roten Autos total im Trend liegen. Die anderen Autofarben blenden wir aus. Genau so verhalten wir uns auch im umgekehrten Fall, wenn wir in der oft genannten „depressiven Phase“ stecken. Wir sehen in jedem Moment, in jeder Situation nur das Negative, das Positive blenden wir aus.

Beim Abschliessen der Haustüre fällt mir der Schlüssel zu Boden. Stecke ich in einer negativen Gemütsstimmung denke ich: Mmmh, das ist bestimmt ein Zeichen, dass ich heute gar nicht aus dem Haus gehen soll!“ Ist meine Grundstimmung positiv, freue ich mich darüber, dass ich mich noch immer so geschmeidig bis hin zu den Zehenspitzen bücken kann. Verstehen Sie was ich damit sagen möchte? Wir suchen Bestätigungen, die unsere Annahme festigen, sei dies nun in positiver oder in negativer Hinsicht und so gelangen wir in eine Spirale.

Im Unterbewusstsein lernen wir

Vieles, was auf uns einwirkt, können wir weder bewusst wahrnehmen noch bewusst ordnen, strukturieren und verarbeiten. Die Hypnose ermöglicht uns, den Zugang zu unserem Unterbewusstsein herzustellen. In der Hypnosetherapie erkennt der Klient den Ursprung seines Problems. Hat man den Zugang zum Unterbewusstsein, so kann unter Hypnose ein unterbewusster Lernprozess stattfinden. Das heisst, das Unterbewusstsein lernt neu. So kann man Ängste, Süchte bis hin zu Traumata suggestiv beheben oder analytisch auflösen.

Wir sprechen häufig von auf und ab. Die Mitte wiederspiegelt die Normalität. Ich persönlich vertrete die Annahme, dass Momente der Nachdenklichkeit und der Antriebslosigkeit nicht negativer zu deuten sind, als Momente der Freude und des Wohlbefindens. Wir selbst konfrontieren uns mit Problemen, damit wir wachsen können. Mein Lehrtrainer, Gabriel Palacios, hat mir ein wunderbares Bild mit auf meinen Lebensweg gegeben. Auszug aus seinem Buch „Lass Dich einfach geschehen“:

Ein Blick aus der Vogelperspektive

Bislang haben wir alles von einem Blickwinkel aus betrachtet, der die „depressiven Phasen“ unterhalb des „normalen Gemütszustandes“ platziert und die euphorischen Momente des Lebens oberhalb.

Jetzt verändern wir die Betrachtungsweise und schauen das ganze aus der Vogelperspektive an. Die Strasse in der Mitte ist unser Lebensweg. Dieser Strasse folgen wir. Die Seite, die wir bislang als die „negative Seite“ betrachtet haben, wird nun zur rechten Seite, abseits der Strasse. Und die bisher „positive Seite“ sehen wir nun als linke Seite abseits der Strasse.

Stellen wir uns vor, die rechte Seite ist von vielen Bäumen bewachsen, die einen Wald bilden. Einen Wald, den viele meiden, weil er von aussen keinen Einblick ermöglicht. Die Vorstellung, gefährliche nicht absehbare Situationen könnten vorkommen, ruft bei vielen Menschen ein Gefühl des Unbehagens bis hin zur Angst hervor.

Auf der linken Seite der Strasse herrscht die Sonnenseite. Die freie Sicht. Es gibt wunderschöne weite Hügel, einen sichtbaren Horizont in der Ferne. Einzelne Obstbäume, die uns mit Ihren Früchten das Leben versüssen sollen. Schon jetzt erkennen wir, dass das Bild des „Auf und Ab“ nicht mehr funktioniert, weil es Menschen gibt, die sich in abenteuerlichen, mystischen Wälder wohl fühlen als unter einem freistehenden Nussbaum auf einem Hügel.

Die beiden Seiten der Strasse

Wir dürfen lernen zu erkennen, dass beide Seiten Vor- und Nachteile bergen. Selbst die geteerte Strasse hat zwei Seiten. Einerseits gibt sie uns die Gewissheit, dass alles in einem überschaubaren Rahmen geschieht, das alles voraussehbar ist. Denn die Strasse wird selbst nach einigen Kilometern zurückgelegter Strecke noch dieselbe Strasse sein – geteert und gefestigt.

Vergleichbar mit einem Bahngeleis, dem man zu Fuss folgen darf, in der Gewissheit, dass irgendwo eine nächste Haltestelle kommen wird. Die negative Seite an der geteerten Strasse: Es gibt wohl kaum etwas Langweiligeres und Eintönigeres, als immer nur dieser Strasse entlangzugehen und mit nichts und wieder nichts konfrontiert zu werden als dieser Strasse. Keine Herausforderungen, die man angehen kann, keine Möglichkeit mehr zu haben, mit den eigenen Stärken und Schwächen konfrontiert zu werden und mit allen unseren Sinnen das Leben in seiner Fülle leben zu dürfen.

Wer durch den dunklen Wald geht wird erkennen, welch Paradies in diesem Wald liegt. Wie wunderbar das sanfte Moos im Wald ist. Die herrliche Farbenpracht und die Vielfalt an verschiedenen Düften. Die schützenden Bäume, welche den Wind, den Regen und viele Unwetter abschirmen und eine schützende Kuppe um die im Wald lebenden Tiere und Menschen bilden. Ein schützendes Dach. Eine Idylle. Wer im Wald war, hat Dinge gelernt, die man nur lernen kann, wenn man sich traut, in den Wald zu gehen. Wenn man sich traut, sich der Gefahr zu stellen. Und man letztendlich keine Angst mehr hat vor all dem vermeintlich Gefährlichen, sondern gestärkt aus dem Wald rauskommt, zurück auf die Strasse, in der Gewissheit, dass der Wald eine der wertvollsten Erfahrungen überhaupt war. Dies ist eine fantastische, positive Sicht auf die „rechte Seite“. Sie ermöglicht uns, das vermeintlich Negative als Chance zu sehen und zu nutzen.

Verborgene Kräfte aktivieren

In der Hypnosetherapie begleite ich Menschen ein Stück weit auf Ihrem Weg. Ich gehe mit ihnen durch Situationen auf der linken und rechten Seite abseits der Strasse. Als Hypnosetherapeutin verstehe ich meine Aufgabe darin, die in den Menschen bestehenden, teils verborgenen Ressourcen aufzuspüren, ihnen diese bewusst zu machen und sie erleben zu lassen. So bringen sie auch künftig den Mut auf, ab und an in unbekannte Waldabschnitte einzutauchen und mit gestärktem Selbstbewusstsein wieder hervorzutreten.

Die Resultate, die wir uns vorstellen können, sind die, die wir bekommen. Genau darin liegt die Kraft der Hypnose.

Zum Schluss möchte ich ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Hypnosetherapie bei einer ernsthaften Erkrankung wie beispielsweise Depression, Burnout etc. in keiner Weise die Notwendigkeit ärztlicher und/oder weiterer psychotherapeutischer Konsultationen ersetzt. Die Hypnosetherapie eignet sich insbesondere zur komplementären Ergänzung zu den medizinischen Therapieformen.

Vielen Dank, dass Sie mir einen Moment Ihrer wertvollen Zeit geschenkt haben.

Herzlichst, Ihre Jacqueline Heller

Sie möchten mehr über die Hypnosetherapie wissen? Weitere Infos zum Thema finden Sie unter: www.heller-hypnose.ch

Jaqueline Heller, Oberentfelden

 

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