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Sieglinde Lorz

Sinnvoll leben

Was ist der Sinn meines Lebens, oder des Lebens generell? Das ist sicher eine der grossen Fragen überhaupt. Brennend wird sie erst recht dann, wenn uns das Leben mal wieder eine der grossen Sinnkrisen liefert. Oder wenn, wie jetzt, das Leben vieler Menschen durch Zerstörung und Krieg aus der Bahn geworfen wird und sie zur Flucht ins Ungewisse treibt.

Die Antwort auf die Frage ist relativ simpel. Der Sinn des Lebens ist das Leben selber. Der Unterschied liegt nicht im Was (wir leben) sondern im Wie (wir leben). Damit ist eigentlich auch eine weitere grosse Frage bereits beantwortet, die des eigenen Weges. 

Mein Weg ist der, den ich gehe. Ich kann ihn nicht verfehlen und auch kein anderer kann ihn für mich gehen. Ich muss ihn auch nicht kennen, um ihn gehen zu können. Das zwanghafte nach vorne schauen, lenkt nur vor der Gegenwart ab. Von den Ängsten und Zweifeln, die mich gerade aktuell beschäftigen. Das Leben findet hier und jetzt statt. Immer und ausnahmslos. 

Diese Aussage führt uns direkt wieder zum Wie. Ich kann das Leben unbewusst oder bewusst leben. Unbewusst heisst, ich bin voll und ganz mit meinem Ego identifiziert. Ich lebe ein munteres Spiel mit allen anderen Egos der Welt, die mir begegnen. Ich distanziere mich vom Du, vom Ego des anderen und trenne klar zwischen ihm und mir. 

Wenn ich allerdings anfange mir meiner bewusst zu werden, merke ich, dass jede Begegnung im Aussen, die mich bewegt, mich auch betrifft, da sie ein Spiegel meiner ist. Das alles, was ich auf das Du projiziere, in mir seinen Ursprung hat und in mir gelöst werden will und auch werden kann. Doch bevor ich dieses Bewusstsein für mich und die Situationen in meinem Leben entwickeln kann, muss ich die Seele und den Geist über die Materie des Körpers stellen können. 

Bewusstwerdung beginnt mit der Anerkennung von Körper, Seele und Geist, als mein aktuelles ganzes Ich. Den Körper, als materiellen Teil, lasse ich zurück, wenn ich sterbe. Seele und Geist überdauern den Tod. Dies ist ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg der Erkenntnis, denn er ist wichtig dafür, den Überlebenskampf auf der Erde zu relativieren.

Erst wenn ich nicht mehr täglich um mein Überleben kämpfen und bangen muss, kann ich den Abstand entwickeln, den ich brauche, um mir meines eigenen Lebens bewusst zu werden. Dann erst kann ich beginnen, jenseits des Egos meinen bisherigen Weg mit seinen Botschaften und Chancen zu ergründen.

Ich kann lernen zu reflektieren und Zusammenhänge zu erkennen. Eine neue Freude am Leben kann sich entfalten und  Begegnungen können mich heilend berühren. Ich werde mehr und mehr bewusst den Pfad des Lebens gehen, meiner Selbst-Bestimmung folgend.

Das Ziel des Lebens ist es bewusst zu leben. Der Sinn des Lebens ist der Bewusstseinsprozess. Letzterer ist ein Geschenk. Wir müssen ihn nur annehmen. Heute, morgen oder irgendwann. Aber auch das ist nicht wichtig. Denn auch dieser überdauert Raum und Zeit in der Materie. So ist wohl auch der Sinn des Lebens (frei nach Einstein) – relativ.

Autorin: Sieglinde Lorz

Beratung & Heilen & Coaching 

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